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Tag 3 – 22.07.2013 – Villach bis Opatija

Recht früh sind wir wieder auf der Straße. Wir tanken noch in Villach und nehmen den Wurzenpass in Angriff. Das geht mit der Erfahrung des Vortages ganz gut. Allerdings bis zur Passhöhe komplett im ersten Gang, unterbrochen von sehr vielen Abkühlpausen erreichen wir unter dem Applaus einer Gruppe Goldwinger die Passhöhe. Mit hochgereckter Faust erreiche ich den Scheitelpunkt und die Planeta rollt auf den erholsamen Abstieg zu. Fast so wie früher die alten Lkws, bergab genauso langsam wie bergauf. Die schlechten Bremsen der Planeta lassen da keine Experimente zu.
Wir sind in Slowenien und nach einer kurzen Erholungsphase kommen wir zum Virsic. Das wird nochmal alles vorangegangene in den Schatten stellen.

Für die ersten 30 Kilometer dieses Tages haben wir weit über 3 Stunden gebraucht …

Der Virsic ist eine wunderschöne Passstraße ins Soccatal. Mit 50 Kehren gesegnet, 25 auf jeder Seite, gehört sie sicherlich zu den spektakulärsten Straßen der Alpen. Auf der Nordseite sind diese Kehren auch noch mit einem Kopfsteinpflaster belegt. Was die Sache bei Regen für den Solisten sicherlich ziemlich spannend gestaltet.

Wir nehmen Anlauf. Schnell bin ich wieder im ersten Gang, ganz selten auch mal im Zweiten. Auch hier wieder sehr viele Pausen um den Motor abkühlen zu lassen. So muss es vor 50 oder 60 Jahren gewesen sein als Alpenüberquerungen noch echte Herausforderungen waren für Mensch und Maschine. Ja und eigentlich will ich das auch so …

Zeitgleich mit uns startet ein Hochleistungs-Radsportler im Tal. Im Gegensatz zu uns macht er keine Pausen und muss leider des öfteren von uns überholt werden. Der arme Kerl, denn die Planeta qualmt ganz schön. Zeitgleich mit uns erreicht der Sportler auch die Passhöhe. Respekt!
Wir bleiben eine ganze Weile dort oben. Wunderschön auch hier wieder die Berge. Ich genieße diesen Teil der Reise ganz besonders.

Doch schließlich zieht es uns weiter. Es geht hinab in Soca-Tal. Der Fluss, der diesem Tal seinen Namen gab ist bei vielen Kajaksportlern beliebt, ist er doch sogar Olympiastrecke gewesen. Wir biegen in Trnovo von der Straße ab, parken die Gespanne nahe dem hübschen kleinen Campingplatz und klettern hinab zum Fluss. Im Gegensatz zu einem bekannten Diesel-Kradisten ein paar Wochen vor uns ohne Regenkombi.
Wir finden eine kleine Bucht ziehen die Stiefel und Socken aus, krempeln die Hosenbeine hoch und steigen ins kühle Nass.
Noch schneller allerdings sind wir auch wieder draußen. Eiskalt ist das Wasser … aber so richtig.
Ich könnte mir vorstellen hier einmal über Nacht zu bleiben. Das Tal wäre es wert etwas genauer erkundet zu werden.

Weiter geht es. So langsam lassen wir die Alpen hinter uns. Wir folgen blind dem Herrn Garmin und werden stutzig als die ersten Hinweise auf italienisch auftauchen. Wir haben zwar keine passende Straßenkarte dabei, wissen aber ob des Zipfels Italien der da keck nach Slowenien hinein schaut. Ich denke noch über die fehlende ECE Kennzeichnung meine Helmes nach und schon sind wir im quirligen Verkehrsgewühl rund um Triest. Wir
verfahren uns trotz Navi hoffnungslos und irren ziellos auf den Stadtautobahnen Triests umher. An einer Tankstelle gelingt es uns illegalerweise wieder auf die Richtige Landstraße zu kommen. Entgegen eines ganz kleinen Stückchens Einbahnstraße finden wir wieder auf Spur.

Als Tagesziel haben wir unseren Einstieg in die D8, die kroatische Küstenstraße ins Navi eingegeben. Der Weg führt uns durch das hügelige Alpenvorland Sloweniens auf allerkleinsten Straßen in Richtung Kroatien. Teilweise nur noch einspurig winden sich diese asphaltierten Feldwege über Berge, durch Täler und durch verfallene Dörfer. Wir fragen uns ein ums andere Mal ob wir noch auf dem richtigen Weg sind, doch alles ist in Ordnung. Die Richtung stimmt und der Garmin will das so. Uns soll es Recht sein, kaum Verkehr, überrascht freundliche Menschen und ab und zu mal ein Eselchen, das nenne ich Reisen …

Wir kommen zu einer winzigen Grenzstation. Wir stoppen die Motoren. Stille, Grillen zirpen. Nichts passiert … ein alter Zastava PKW blockiert die geschlossene Schranke. Nach einer Weile kommt ein müder slowenischer Grenzer aus seinem Kasten. Er winkt ab, „no trespassing, only for locals“ … wir sind verwirrt. Ist doch Kroatien seit dem 01.07.2013 Mitglied der EU und somit sind wir doch alle „Locals“ doch der Grenzer lässt sich nicht erweichen. Grimmig erklärt er uns den Umweg zum nächsten internationalen Grenzübergang. Wir überlegen noch kurz ob wir nicht über die flache Wiese um das Grenzhäuschen herum … ach nee, das wäre der Laune des slowenischen Beamten sicherlich nicht zuträglich. Auch wissen wir nicht wie sein kroatischer Kollege reagieren würde der sich bisher noch nicht gezeigt hat.

Wir nehmen die 15 km Umweg dann doch gerne in Kauf, geht es doch weiter auf diesen kleinen Pfaden durch dieses schöne Land.

Kurz vor der Küste gibt es dann wieder mal einen etwas gröberen Anstieg. Die Planeta brummt voran, immer im ersten Gang. Plötzlich ist Verena mit der F aus meinem Blickfeld verschwunden. Ich warte eine Weile und drehe dann um. Muss die mühevoll erkämpften Höhenmeter wieder aufgeben. Schließlich kommt mir Verena entgegen. Die F sei einfach ausgegangen und erst nach einer Weile wieder gestartet. Wir fahren weiter, die F läuft immer schlechter und geht schließlich endgültig aus. Ich beschließe dass es Spritmangel sein muss. Wäre zwar ob der gefahrenen Kilometer noch ein klein wenig früh und tatsächlich, nach einer Kanisterbetankung springt das Gespann an und läuft stabil. Fast zumindest. Die restlichen Kilometer stottert der Rotax nur noch so vor sich hin, dreht nur noch maximal bis 3000, was für die F zu wenig ist und qualmt.
Ich muss dazu sagen, wenn ich mit der Planeta im ersten Gang so mit 12,75 km/h den Berg hinauf krieche dann ist das so gar nix für die F. Der Rotax-Motor brauch Drehzahl und der erste Gang der F ist sehr lang übersetzt. 30 km/h wären angenehm, 13 jedoch nur mit Kupplungsunterstützung fahrbar. Hätte Verena früher mal was gesagt, hätte ich sie vorfahren lassen.

Egal, irgendwie schaffen wir es an die Küste. Es wird schon dunkel und wir beschließen die erst beste Gelegenheit zur Übernachtung zu nutzen. Auch ein Zimmer würden wir nehmen. Leider führt uns unser Weg zunächst einmal durch Opatija, einem überlaufenem mondänen Badeort mit viel scheinheiligem Glanz und Glamour. Unmöglich auch nur einen Parkplatz zu finden um in einem der vielen glitzernden Hotels nach dem Zimmerpreis zu fragen. Ich werde übel-launig und gebe Gas. Zwischen all den Bentleys, Jaguars und Benzen fühlt sich die Planeta nicht wohl. Vom Kradisten ganz zu schweigen.

Kurz nach Opatija in Richtung Rijeka finden wir doch tatsächlich noch einen überlaufenen Auto-Kamp und wir bauen bei Dunkelheit in irgendeiner Ecke unser Zelt auf. Auf der einen Seite, nur durch einen Maschendrahtzaun getrennt rollen in etwa 2 Metern Entfernung unablässig die 40 Tonner an unseren Köpfen vorbei. Auf dem Campingplatz hingegen, Party-People. Laute Musik, Gekreische und Gegröhle betrunkener Touristen …

Egal, wir finden noch ein übles Abendessen und sinken in einen traumlosen Schlaf, einer Bewusstlosigkeit ähnlich.


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Steile Angelegenheit der Wurzenpass.

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Die haarsträubenden Serpentinen des Virsic. Staßenbelag Kopfsteinpflaster.

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Geschafft! Die Passhöhe ist erreicht. Fast zumindest.

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Alpine Motive.

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Einer der Höhepunkte der Reise. Das Socatal.

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Unglaublich frisch und energiegeladen wirkt dieser Fluss auf mich.

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Hier sollten wir auf jeden Fall noch mal herkommen.

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Camping-Trauma an der kroatischen Küste.

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Kreativer Dauercamper …

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F-Beschraubung.

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Hier kann man von einer suboptimalen Verbrennung sprechen.


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