Mljet Seite 1

Prolog

Im Sommer 2013 bereiten Verena und ich uns auf unsere erste längere gemeinsame Reise vor. Es geht nach Kroatien. Genauer nach Dalmatien auf die Insel Mljet.

„Legenden zufolge ist nicht Malta, sondern die Insel Mljet diejenige, auf welcher der Apostel Paulus Schiffbruch erlitt und Odysseus der Nymphe Calypso erlag.
Die auch sonst verzaubert wirkende Insel, 100 Quadratkilometer groß, mit ihren knapp 1.250 Einwohnern, ist touristisch wenig erschlossen und daher vor allem für diejenigen interessant, die Abgeschiedenheit und Ruhe suchen. Wegen seiner zwei Binnensalzseen und der Artenvielfalt wurde im Westen der Insel der Nationalpark Mljet 1960 gegründet. Der Nationalpark umfasst 1/3 der Inselfläche. Gut 2/3 der Insel sind mit Kiefern und Steineichen bewachsen. Angebaut werden Oliven, Kräuter und Wein. Eine Besonderheit der Tierwelt auf Mljet ist der Mungo, der sonst nur in Asien und im pazifischen Raum vorkommt. Er wurde zur Schlangenbekämpfung eingebürgert, hat aber auch andere Tierarten dezimiert.“

Quelle: mein-kroatien.info


 

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Um 6:00 in der Früh‘ geht es endlich los.


Tag 1 -20.07.2013 – Mömbris (Unterfranken) bis Ering am Inn

Tagesziel des ersten Reisetages ist das PmP, das Kindertreffen der AIA in Niederbayern welches schon seit Jahren vom Sepp veranstaltet wird.
Dieser erste Tag, 450 Landstraßenkilometer lang, verläuft völlig unspektakulär. Die Motorräder brummen zufrieden vor sich hin und wir erreichen am späten Nachmittag den Platz des Treffens.

Der Sommer zeigt sich von seiner besten Seite. Es ist heiß, aber was gibt es Schöneres als sich nach einem langen Tag auf dem Motorrad ins kühle Nass zu stürzen? In Ering gibt es ein kleines aber sehr feines Freibad. Nach Begrüßung und Zielbier geht es zunächst einmal dorthin um abzukühlen und um auszuspannen.

Danach folgen viele schöne Gespräche rund um unser liebstes Hobby und natürlich auch um unsere bevorstehende Reise. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Ein oder Andere etwas neidisch ist ob unserer Urlaubsreise. Aber auch dafür habe ich Verständnis …
Des abends beschraube ich noch mit dem Peter den vermeintlich klappernden Auspuff der Planeta. Natürlich machen wir was kaputt dabei und wir müssen improvisieren. Erschwerend kommt hinzu, dass sich unsere Hauptimprovisationszutat in Luft auflöst und unauffindbar bleibt. Bis heute ein Rätsel …
Wir schaffen es erst nach Einbruch der Dunkelheit fertig zu werden. Was auch sonst …


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Eine kurze Pause im Schatten mächtiger Bäume. Eine Wohltat an diesem heißen Tag.

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Die Zwei trennen Welten. Aber Freundschaft verbindet.

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Die Kinder müssen draußen schlafen …

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Lageridylle beim PmP.

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Morgendliche Vergaserbeschraubung kurz vor der Weiterreise.


Tag 2 – 21.07.2013 – Ering am Inn bis zum Ossiacher See (Villach)

Am frühen Morgen befeile ich noch die Hauptdüse des Planeta-Vergasers und schon sind wir bereit zur Weiterreise. Dieser Reisetag führt uns entlang der bekannten Strecke über Oberösterreich, die Steiermark nach Kärnten. Das hört sich zunächst einmal ganz locker an, war jedoch ein hartes Stück Arbeit für den Planeta und deren Kradisten.

Die Strecke bis zum Sölkpass war problemlos. Viel Verkehr zwar und heißes Sommerwetter aber so wollten wir das schließlich. Mit etwas Unbehagen denke ich an den bevorstehenden Aufstieg zum Sölkpass. Von der Nordseite her schon ziemlich aufregend, vor allem mit einem überladenen 20 PS Zweitaktgespann …
Im unteren Bereich der Passstraße quält sich das Gespann schon arg, obwohl es noch nicht einmal besonders steil ist muss ich teilweise bis in den ersten Gang hinab. Nach einem besonders heftigen Lastwechsel bemerke ich dann ein rhythmisches Schlagen aus dem Antriebsstrang. Mhhh … das fühlt sich nicht gut an, ich beschließe jedoch das zunächst einmal zu ignorieren.
Beim nächsten Gangwechsel dann geht das allerdings nicht mehr. Es rasselt und scheppert aus Richtung Getriebe und der Motor geht schlagartig aus. Stille. Ich denke mir noch, das war’s. Getriebeschaden. Mein Kopf schaltet sofort um in den Reparaturmodus. Allerdings stehen wir an äußerst ungünstiger Stelle. Es gelingt mir das Getriebe durchzuschalten und der Motor springt auch wieder an. Sobald ich allerdings den ersten Gang einlege und die Kupplung kommen lasse, stirbt der Karren ab.

Ich frage Verena ob sie mich abschleppen könnte. Hinauf auf die Passhöhe, durch die engen Kehren … Ihre Augen werden größer, ich merke dass sie sich nicht wirklich traut. Ich kann sie überreden und wir hängen die Planeta an die F. Mehrere Versuche mit der schweren Last anzufahren quittiert der kleine Rotax mit Arbeitsverweigerung.
Ich übernehme die Lenkstange der F und Verena setzt sich auf die Planeta. Nach kurzer Einweisung für Verena setze ich mich auf die F, lasse den Motor aufheulen und brutal die Kupplung schleifen. Die Fuhre setzt sich in Bewegung. Einmal ins Rollen gekommen geht es ganz gut. Die F hat genügend Leistung um die Planeta mit 30 km/h im ersten Gang durch die Kehren zu zirkeln. Nur anhalten sollte ich besser nicht. Im Rückspiegel betrachtet wirkt Verena ziemlich lässig auf der Planeta. Dass dem nicht so war, erfahre ich später erst.

Wir kommen schließlich oben auf der Passhöhe an. Es ist Sonntag. Es ist ein heißer Sommertag. Entsprechend viel ist dort oben los. Es ist klar dass sich plötzlich alle Aufmerksamkeit auf uns richtet …

Wir suchen uns einen Platz im hintersten Eck der Passhöhe und ich richte mich auf eine längere Aktion ein.
Ich nehme den rechten Motordeckel ab und sofort sehe ich das Malheur … die gerissene Kette hat sich um das Ritzel gewickelt und so den Motor abgewürgt. Bei genauerer Betrachtung finde ich die Fragmente des Kettenschlosses. Glatt in der Mitte durchgerissen. Das Qualitätsprodukt der Firma D.I.D. ist an der massiven Lasche durchgerissen. Genau über dem Logostempel …
Wie auch immer, so ein Schaden lässt sich recht leicht beheben. Wenn auch bei der Planeta ziemlich dreckig und relativ langwierig. Nach kurzer Schrecksekunde erinnere ich mich auch an den neuen Lagerort der Ersatzkettenschlösser.

Es geht los. Hinterrad raus, Kettenkasten ausbauen und zerlegen, Kette durch fädeln und alles wieder zusammen. Schwarze Arme bis hoch zu den Oberarmen. Eine Gruppe Wochenend-Biker aus Berlin beobachtet uns interessiert aber ohne Schadenfreude. Sie sind einfach daran interessiert ob ich es schaffe das Gespann wieder flott zu bekommen. Freimütig geben sie zu dass ein solcher Schaden für einen jeden von ihnen das Ende der Reise bedeuten würde. Sie bleiben bis zum Schluss, die ganzen 1,5 Stunden die die Aktion dauert. Falls ich es doch nicht schaffen sollte, würden sie uns irgendwie weiterhelfen. Ich hatte das Gefühl, das war durchaus ehrlich gemeint und ich fand es gut. Als dann der Oberinteressierte noch erzählte er sei als Student in den 70ern mit einer MZ bis nach Ägypten gereist, waren wir schon fast Leidensgenossen.

Als wir nach rund 2 Stunden die Motoren starten, ziehen wir unter dem Applaus der Biker von dannen. Geschafft. Den Sölkpass haben wir schon mal bezwungen. Allerdings schiebt sich das Tagesziel, der Ossiacher See vor Villach in weite Ferne. So ganz will ich jedoch noch nicht davon Abstand nehmen und treibe die Planeta mit kreischendem Motor voran. Auch unterliege ich dem Irrglauben dass es nun kaum noch hohe Berge geben könne bis nach Villach. Leider in völliger Unkenntnis der österreichischen Geographie … Wir werden eines besseren belehrt, auf die harte Tour.

Auf einer kleinen Nebenstraße, ich habe leider vergessen wo es war, zeigten die Berge uns unsere Grenzen auf. Eine lange Steigung, augenscheinlich nicht allzu steil, zwingt mich mit der Planeta in den ersten Gang hinunter. Mit 17 km/h laut GPS tobt die Planeta kreischend den Berg hinauf. Zu schnell. Nach wenigen Kilometern geht mir der Motor fest. Ich ziehe noch rechtzeitig die Kupplung, drehe um und lasse die Planeta den Berg wieder hinab rollen bis zu einer geeigneten Parkbucht. Pause. Nach einer Weile starte ich den Motor, klingt als sei er ohne Schaden davon gekommen. Ich nehme den Berg erneut in Angriff und lerne meine Gashand zu zügeln. Zwischen 10 und 14 km/h ist alles im grünen Bereich, darüber hinaus wird es gefährlich. Dennoch, so langsam gefahren wird der Motor sehr heiß und alle paar hundert Meter muss ich anhalten um das Werk abkühlen zu lassen.

Wir erreichen schließlich abends gegen 20:00 Uhr einen furchtbaren Groß-Campingplatz am Ossiacher See. Finden mit Mühe noch einen Platz für unser Zelt. Ich esse die schlimmste Pizza meines Lebens und finde es wunderbar. Das erste Zielbier verdampft zischend in meiner Kehle noch bevor es den Magen erreichen kann. Macht nix, es folgen noch weitere …
Am frühen Morgen machen wir noch einen Rundgang am See. So in aller Stille recht hübsch, unglaublich aber die Menschenmassen die hier Erholung suchen. Für mich der Horror schlecht hin.


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Blütenpracht am Wegesrand.

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Erste Schadensanalyse auf der Passhöhe.

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Hilft ja nix. Wüstes Geschraube beginnt, nicht schwierig aber dreckig. Sehr dreckig und zeitaufwändig.

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Fast ist es geschafft …

mljet13_011Relativ unbeeindruckt von meinen Aktivitäten blieb diese Kuh.

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Pause. Abkühlung ist wirklich von Nöten!

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Der Ossiacher See im sanften Licht der aufgehenden Sonne.


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