Albanien 2017 – 9

Es wird Zeit für einen kleineren Service an der Enfield. Öle prüfen und auffüllen, Kettendurchhang einstellen, Bremsen nachstellen, Kupplungszug nachstellen. Nix wildes also.

Ich entdecke einen schleichen Plattfuß am Hinterrad, beschließe aber das zu beobachten und erst einmal zu ignorieren.

Ein Gespann rollt auf den Platz. Klaus aus Konstanz mit dem viele gemeinsame Freunde haben ohne uns zu kennen. Wir sitzen ein paar mal sehr nett zusammen in der Platzkneipe. Sehr lustig.

Auf dem Platz ist es sehr schön. Es gibt aber nicht viel Neues. Da wir beide nicht so die Dauerstrandgänger sind beschließen wir einen Tag früher als geplant nach Durres aufzubrechen. Es soll da einen schönen Platz geben etwas südlich.

Wir reden noch eine Weile mit Juvena. Die Frau hat schon echt viel erlebt. Sie möchte noch nach Deutschland um dann den Roller einzulagern und um nach Singapur zu fliegen, Geld verdienen und dann wieder zurück zum Roller. Afrika steht dann auch noch auf der Liste …

Ich werde versuchen in Kontakt zu bleiben. Sollte sie über Frankfurt ausfliegen, werden wir uns sicher noch mal treffen.

Wir fahren weiter in Richtung Durres. Es sind nur 180 km bis zum Kamp Pa Emer. Eine Perle an der Adria wie sich zu unserer Überraschung offenbaren sollte. Doch zunächst einmal die schon bekannte Passstraße in Richtung Vlores. Auf der weiteren Strecke stelle ich deutlichen Luftverlust am Hinterrad der Enfield fest. An einer Tankstelle fassen wir nach. Als ich dem Service Jungen auch noch ein Trinkgeld anbiete möchte er gleich alle unsere Räder prüfen und befüllen.

Nach ein paar Irrwegen schaffen wir es schließlich zum Kamp Pa Emer. Es ist ein traumhaft schöner Platz der sich uns da eröffnet. Zelten entweder auf Terrassen im tiefen Schatten, oder direkt am Strand. Wir entscheiden uns für einen Terrassenplatz und schlagen unser Lager auf.

Die Anlage ist sehr gepflegt und die Inhaberfamilie bemüht sich um nachhaltigen Tourismus.

Das Wasser in der extrem flachen Bucht ist pudelwarm. Stundenlang kann man darin herum dümpeln …

Wir verbringen einen sehr angenehmen Nachmittag und werden auch von dem kleinen Restaurant auf dem Inselchen nicht enttäuscht.

Das könnte so auch irgendwo in der Karibik sein.

Als ich später mein Mobilfon an der Enfield laden möchte tut sich nix mehr. Tot die elektrische Anlage der Enfield. Nicht einmal das Handy zuckt … Da bin ich wohl wieder mal beim Rangieren auf dem Platz mit dem Knie gegen den Choke gekommen und der Motor ging von selbst aus. Leider vergaß ich dabei die Zündung auszuschalten. Bei der Enfield ist der Kontakt meistens geschlossen wenn der Motor ausgeht was zur Folge hat dass ein permanenter Strom durch die Zündspule fließt.

Morgenkaffee …

Mit Hilfe der Powerbank die auch Starthilfe für Knöpfchenstarter geben kann, konnte ich das Werk aber wieder zum Leben erwecken. Vorerst …

Ich bin sehr froh diese Reservezeit hier zu haben. Gegen Mittag machen wir uns auf den Weg nach Durres. Wir müssen das Hafenbüro von Adria Ferries finden um einzuchecken. Ich merke schon auf dem Weg dort hin dass die Enfield nicht gut läuft. Blinken geht gar nicht denn dann geht sofort die Zündung in die Knie. Auch beschleunigen aus niedriger Drehzahl wird mit Zündausetzern quittiert. Auch macht sich wieder der Luftverlust im Hinterrad bemerkbar. Waid-wund kwasi schleppen wir uns nach Durres zum Hafen.

Der Terminal zum Check-In befindet sich schon im Hafenbereich. Rein kommen wir, aber so einfach nicht mehr raus. Egal, wir haben noch eine Menge Zeit und so gehen wir zu Fuß in die Stadt. In einer Hafenkneipe finden wir ein sehr preiswertes und sehr gutes Mittagsessen. Frühstück fiel ja mal wieder aus … Der junge Kellner spricht gut englisch und ist sehr interessiert an unserer Reise und freut sich sichtlich dass es uns in seiner Heimat so gut gefällt.

Wir gehen schließlich zurück in den Hafen und checken ein. Irgendwann einmal lassen sie uns auch mit den Krädern in den Zollbereich zum Pier. Kurz vor der Abfahrt beginnt die Verladung. Die Enfield hat schon wieder bedenklich wenig Luft auf dem Hinterrad. Egal. Ich habe eine Luftpumpe und fest vor mich erst wieder in Triest um dieses Problem kümmern zu müssen.

Wir entern das Schiff und beziehen unsere Kabine. Diesmal kennen wir uns ja schon ganz gut aus und genießen unsere mit gebrachte Brotzeit. Der Wein aus der Plasteflasche von dem Minimarkt bei Pa Emer ist der Hammer. Fast schafft er es sogar auf Platz eins der diesjährigen Hitliste.

Der Schinken stammt sogar noch vom Mainzer Förster. Hirschfleisch. Sehr lecker.

Auf den Bildern sieht es so aus als würde nur ich essen und trinken. Das war aber nicht so …

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