Albanien 2017 – 10

Wir legen pünktlich ab und nach einer ruhigen Nacht laufen gegen Mittag in Ancona ein. Nach dem der Kahn ausgeladen ist sind wir fast alleine an Bord. Das obere, offene Ladedeck ist fast komplett leer. Auch jetzt bleiben wir wieder für einige Stunden regungslos im Hafen liegen. Aber das ist schon in Ordnung. Lieber in der Nach schippern und am Morgen ankommen als gleich weiter zu hetzen um dann mitten in der Nacht in Triest von Bord zu müssen.

Am Morgen laufen wir pünktlich zum Beginn des Berufsverkehrs in Triest ein. Nach ähnlich aufwendiger Prozedur wie auf dem Hinweg stürzen wir uns in den Verkehr. Da das Hinterrad meiner Enfield nun schon deutlich platt ist sehr vorsichtig. Es dauert dann auch eine Weile bis wir eine Tankstelle finden. Wir breiten uns aus und ich lege los.

Die Arbeit gestaltet sich schwierig, der Reifen will ums verrecken nicht in sein Bett zurück, auch leistet der Kompressor nicht genug um ihn zu zwingen. Erschwerend kommt dazu dass ich jedes mal 50 Cent einwerfen muss bevor er mit seiner Arbeit beginnen mag. Ich gebe erst einmal auf und erkläre das Werk für halbwegs tauglich. Nach dem Zusammenbau, immerhin hält die Luft, führt mich der freundliche Tankwart noch zu seinem Waschraum mit Handwaschpaste und ich kann die gröbsten Spuren an meinen Händen beseitigen.

Wir eiern los und das im wahrsten Sinne des Wortes. Direkt schon beim Anfahren spüre ich den Schlag im Hinterrad. Ich halte noch mal an und versuche es noch einmal. Sobald ich schneller als 30 km/h fahre ist alles ganz normal. Also los, ich werde mich in Kobarid darum kümmern.

Wir fahren eine schöne Straße entlang der Küste in Richtung Norden. Blinken geht immer noch nicht aber damit kann ich leben. Bei San Giovanni di Duino biegen wir ab auf die SS55 in Richtung Slowenien und die Zündung der Enfield verstirbt schlagartig und endgültig. Wir rollen am Straßenrand im Halbschatten aus und beginnen zu basteln. Irgendwie kann ich das gerade so gar nicht brauchen, versuche aber nicht panisch zu werden und gehe fast systematisch vor. Kerze, Stecker und Zündkabel werden erfolglos getauscht. Die Zündspule bekommt Strom und gibt diesen auch an den Unterbrecherkontakt weiter welcher auch brav schaltet. So weit so gut. Ich mag eigentlich nicht die Zündspule wechseln denn das ist eine blöde Arbeit, dazu muss der Sattel runter. Deswegen versuche ich mich sinnloser Weise am Tausch des Kondensators. Natürlich schießt der Kontakt mit seiner Feder lustige Kleinteile über die Wiese. *grmpf* Bis auf eine kleine Isolierscheibe finde ich alles wieder. Die Isolierscheibe spendet das Ersatzteilpäckchen …

Schließlich baue ich den Sattel doch ab und ersetze die Zündspule durch die originale indische Lucas-Spule welche der Olly damals als so ziemlich erstes Bauteil prophylaktisch ersetzte. Sieht aus wie neu, keine Ahnung aber ob sie tut. Und überhaupt ist es das erste Mal das ich sie mitreisen lasse. Aber auch nur weil ich sie kurz vor dem Urlaub zufällig wiederfand.

Ich hänge die Spule provisorisch rein und … One Kick only. Erleichtert schauen wir uns an. Ich befestige die Spule provisorisch, baue alles wieder zusammen und ruck zuck sind wir wieder unterwegs.

Es geht weiter über Nova Gorica in Richtung Alpen. In Nova Gorica speisen wir ausnahmsweise bei einem internationalen Burgerbrater denn, wieder mal kein Frühstück … Bedrohlich bauen sich vor uns die Gewitterwolken auf aber wir haben Glück. Fahren meist auf nasser Straße, bleiben selbst jedoch verschont.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Kobarid und bauen wie gewohnt im Kamp Koren unser Zelt auf. Ich mag dieses Camp denn auf der oberen Ebene im Wald gibt es keine Autos oder Wohnmobile und es hat den ganzen Tag Schatten. OK … bei Regenwetter ist es schon ein klein wenig düster.

Nicht schlecht so eine BMW. Dahinter versteckte sich übrigens eine XT500.

Am Abend wollen wir essen gehen nach Kobarid. Leider zwingt uns ein fettes Gewitter ins Zelt und lässt uns auch nicht wieder heraus. Glücklicherweise haben wir noch von unserer Notration …

Am nächsten Tag baue ich das Rad der Enfield aus, lasse die Luft ab und entdecke wie sich der neue Schlauch in eine Falte legte und zwischen Reifen und Felge klemmte. OK, so kann er nicht in sein Bett zurück. Ich richte das und fahre mit der PX zur Tankstelle nach Kobarid.

Ich muss das noch mal wiederholen da der Reifen immer noch nicht perfekt sitzt, die Montierhebel liegen natürlich am Platz, aber dann ist alles gut. Ich baue den Reifen ein, befestige die Zündspule ordentlich und …. die Enfield springt nicht mehr an. Ich lockere die Befestigungsschelle der Spule und finde den Funken wieder. Kontaktabstand ist mittlerweile auch zu groß was ich noch schnell korrigiere. Nun läuft das Werk wieder wie am ersten Tag.

Wir gehen noch ein klein wenig spazieren und genießen die Landschaft.

Abends speisen wir im Camp vom Lieferservice. Nicht schlecht aber dafür lauwarm und teuer. Nun gut, schmeckt trotzdem. Dann stapfen zwei Kradisten über den Platz und kurze Zeit später rollt ein Gespann hoch zu den Zelten. Nachdem wir mit dem Essen fertig sind gehen wir auch hoch. Wir kommen ins Gespräch. „Wir kennen uns vom Tauerntreffen“ meint der Kollege. Sachen gibt’s … ich kann ihn leider so gar nicht zuordnen aber egal. Falls Du das also liest lieber fremder Gespannfahrer, ich habe ein schlechtes Personengedächtnis und leider mussten wir am Morgen auch schon wieder früh auf die Straße.

In der Nacht vor der Abreise beginnt es dauerhaft zu regnen und hört auch nicht mehr auf. Wir müssen das Lager im strömenden Regen abbauen und stehen dann schon vor 7 Uhr vor der Rezeption. Wir wissen zwar dass sie erst um 8 öffnet, ist uns aber egal. Man kann hier wenigstens im Trockenen sitzen und sich später in Ruhe die Gummihäute überstreifen.

Als wir losfahren hört der Regen auch auf und wir kommen trocken durch die Alpen. In Lienz brüllt sogar die Sonne vom Himmel und es ist heiß. Wir bleiben trotzdem im Regenkombi. Wir sind immer noch kalt vom Vormittag. Ab dem Felbertauerntunnel fängt es wieder an zu regnen und hört auch bis nach Oberbayern nicht wieder auf. Wir werden trotz Regenklamotten ziemlich nass.

In Kufstein ist dann das Hinterrad von der Vespa schon wieder platt. Im strömenden Regen schaffen wir es bis zu einer Tankstelle. Leider wird diese von einer Gruppe Harley-Bikern aus München und Umgebung belagert. Die Burschen blockieren einfach ungeniert die komplette Tankstelle und stehen rauchend und biertrinkend überall im Weg herum. Ich äußere meinen Unmut und frage in einer Autowerkstatt nach Hilfe. An der Tankstelle ist außer Druckluft nichts zu erwarten. Nur wenige hundert Meter entfernt ist ein Reifenhändler erfahre ich. Wir punpen den Reifen noch mal auf und schlingern von dannen. Es ist Freitag viertel vor vier und der Reifenhändler will gleich zu sperren. Wir bekommen einen passenden Schlauch, nehmen gleich zwei davon und legen los. Wir dürfen seine Werkstatt benutzen und falls wir es nicht ganz schaffen würden, er bliebe auch gerne noch etwas länger da. Wir schaffen es aber und pünktlich kann der Mann in seinen wohlverdienten Feierabend. Vielen Dank noch mal für die Hilfe!

Der Schlauch hatte sich an der innen rostigen Felge aufgerieben … war aber auch ein recht günstiges Modell von minderer Gummiqualität bemerkte der Reifenhändler noch. Im Vergleich zu dem dicken teuren Michelin Schlauch den wir bei ihm kauften muss ich sagen, er hatte Recht.

Wir fahren weiter über Bayrisch Zell und Miesbach und finden in Reichersbeuern ein nettes Gasthaus zum Übernachten. Wir breiten uns in dem großen Zimmer aus und verwüsten es schlagartig. Wir duschen stundenlang heiß, essen sehr gut zu Abend und sind früh im Bett verschwunden. Am nächsten Morgen regnet es immer noch. Aber der Wetterbericht verspricht Besserung.

Es sollte auch tatsächlich schön werden. Wir fahren über Mindelheim und Heidenheim in Richtung Norden. Wir wollen Stadtdurchfahrten wie München, Ulm oder Augsburg vermeiden. In schwäbisch Hall leitet uns der Garmin aufgrund eines Berechnungsfehler wie ich finde in Richtung Odenwald und wir folgen blindlings. Mittlerweile halten wir nur noch zum Tanken an. Das geht sogar mit der Vespa sehr gut. Immerhin sind das immer rund 150 km Landstraße am Stück. Die Strecke über den Odenwald ist zwar schön und schnell, in der Summe aber um 50 km länger als geplant. So wird es Abend als wir in Karlstein bei Jonnys Roadhouse nach genau 502 Kilometern vom Krad steigen. „We are the roaddogs …“ Einen fetten handgemachten Burger und zwei Astra später sind wir dann bei mir zu Hause.

3139 Kilometer mehr auf der Uhr. Das war wieder eine tolle Reise und noch immer sind wir mit Albanien nicht fertig. Vielleicht sollten wir nächstes Jahr einen Badeurlaub machen … nicht klassisch aber dennoch. Auch möchte ich ganz gerne mal wieder mit einem Gespann verreisen. Und … und … und.

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