Albanien 2017 – 8

Kurz entschlossen reisen wir am nächsten Morgen ab. Natürlich klart das Wetter kurz danach auf. Der Plan sieht vor in Leskovik in Richtung Griechenland abzubiegen. Eine kleine Runde über Nord-Griechenland erscheint uns am sinnvollsten da es ansonsten kaum eine Möglichkeit gibt zeitnah die westlich gelegene massive Bergkette zu überwinden.  Ziel ist Vasilis Kamp Moskato wo wir auch schon letztes Jahr Station machten.

Dieser Reisetag bietet uns das perfekte Reisewetter.

Die Tankstelle in Leskovik.

Wir biegen ab auf die Nebenstrecke in Richtung Grenze. Nach meinen Informationen sollte dies nur zum Teil asphaltiert sein. Statt dessen erwartet uns bis auf wenige Kurven piekfeiner nagelneuer Asphalt auf der kompletten Strecke. Das ist tatsächlich mal ganz angenehm. Man kann auch mal verträumt in die Landschaft schauen ohne dass einem das Vorderrad von einem monströsen Schlagloch verschlungen wird.

An der Grenze zu Griechenland.

Die Abfertigung am albanischer Seite ist schnell und unkompliziert. Auf griechischer Seite zumindest bei der Polizei auch. Der Zöllner hingegen bringt sich in Position und erklärt uns zunächst einmal dass wir von einem nicht EU-Land in ein EU-Land einreisen weswegen er uns jetzt ein paar Fragen stellen müsse. Belehrend aber immer korrekt und freundlich erklärt er uns was wir alles nicht dürfen. Ob wir Lebensmittel dabei haben fragt er was ich verneine während ich auf den Rotwein ganz oben auf Verenas Gepäck starre. OK, das mit dem Rotwein hat er auch gesehen, akzeptiert das aber als Überlebensmittel. Zum Schluss wird er aber auch noch ganz aufgeräumt und wünscht uns eine gute Reise. Völlig vergessen dabei habe ich die Rationen Notwurst und Notkäse …

Wir fahren weiter und sofort haben die Straßen eine ganz andere Qualität. Ich gebe zu, das ist auch mal wieder ganz nett so.

Wir erreichen einen kleinen Ort mit Tankstelle und da es eh Zeit ist für eine Pause und wir die Gelegenheit nutzen möchten halten wir an.

Und weiter geht es durch den rauen und wilden Norden Griechenlands.

Nach einigen Kilometern über kleinste Strecken durch einsame Gebirgsdörfer heißt uns der Garmin plötzlich rechts abzubiegen was ich auch artig mache. Auf den ersten hundert Metern noch eine normale Schotterpiste neigt sich das Gefälle plötzlich ins bodenlose. Ich halte an und frage Verena ob wir weiter fahren sollen. Nächste Abbiegung in 5 Kilometern. Sie stimmt zu.
Ich fahre langsam das Gefälle herunter und komme immer häufiger ins Rutschen über beide Räder. Das ist Grobschotter auf blankem Fels bei etwa 15% Gefälle.

Ich schaue in den Rückspiegel und bin alleine … Es benötigt ein paar Versuche die schwere Enfield sicher abzustellen, ich haste den Berg hoch (30°+ Ledermontur) und finde Verena mit einem umgepurzelten Roller.

Wir richten den Karren auf, starten den Motor und ich bringe die Vespa erst einmal zur Enfield. Pause machen. Schnell wird uns klar das wir hier niemals wieder hoch kommen werden, also weiter. Langsam fahren wir den Berg hinunter und als ich in den Rückspiegel schaue sehe ich wie Verena erneut stürzt. Ich bringe die Enfield erst einmal hinunter auf eine flachere Stelle und hast wieder den Berg hinauf. Diesmal will der Roller erst mal nicht wieder anspringen. Ich rollere zu Tal und nach einer Weile läuft der kleine Zweitakter wieder. Wir sind echt froh …

Wir fahren weiter und es geht jetzt eigentlich ganz gut. Tiefer Furchen, Grobschotter und auch ein Bachlauf möchte durchquert werden. Alles aber nicht mehr so schlimm weil es geht relativ eben dahin. Bald schon erreichen wir die Asphaltstraße und nach wenigen Kilometern auch schon wieder die Albanische Grenze.

In Albanien biegen wir links ab und fahren in Richtung Sarande. Das blaue Auge (Syri i kalter) lassen wir rechts liegen. Wir wollen ankommen. Wir umfahren Sarande und kommen bald auf die Küstenstraße der albanischen Riviera. Es dauert nicht mehr lange und wir brummen auf den Platz von Vasili am Strand von Lavadhi.

Wir finden ein schattiges Plätzchen und ein paar polnische Camper sind völlig aus dem Häuschen ob Verenas Roller. Aus Deutschland? Mit dem Ding? Boah ey … Später am Abend sollten sie noch Augen machen denn es rollt ebenfalls ein PX Roller, vollbeladen auf den Platz. Eine junge Frau steigt ab. Juvena ist vor zwei Jahren in Singapur gestartet und auf dem Weg nach Italien.

Sie ist hocherfreut Verena mit ihrem Roller zu sehen, was für ein Spaß. Wir lassen sie erst einmal ankommen und verabreden uns für später mal. Auch wir müssen uns erst noch einrichten, wollen wir hier doch ein paar Tage bleiben.

Juvena hatte am Tag zuvor einen kleinen Zusammenstoß mit einem Fußgänger bei dem es keinen Personenschaden gab. Lediglich der Roller war etwas deformiert und die polnisch tschechische Campertruppe ging mit enormen Eifer und Kreativität ans Werk. Juvena konnte nur noch aufpassen dass nichts ausartete …

Die Burschen leisteten sehr gute Arbeit und der Roller war wieder Einsatzbereit.
Ach ja. Sollte Euch auf dem Balkan einmal der Spiritus ausgehen, es gibt Ersatz. Medizinischer Alkohol aus der Apotheke. Sündhaft teuer im Vergleich aber besser als kalter Kaffee.

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