Albanien 2016 – 1

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Auch 2016 zieht es uns wieder auf die Balkan Halbinsel. Genauer gesagt zieht es uns nach Albanien. Noch nie dort gewesen sind wir sehr neugierig darauf was uns erwarten wird. Verena ist wie gewohnt mit ihrem F650 Gespann unterwegs. Auch mit den gewohnten „Unschärfen“ doch davon später. Ich fahre dieses Mal nun endlich mit meinem Lieblingskrad. Der kleinen tapferen Enfield. Zwei Motorenüberholungen musste sie über sich ergehen lassen, die erste eher weniger erfolgreich, unzählige Beschraubungen in der Werkstatt und auf Treffen. Aufgrund eines unergründlichen aber leider nicht unüberhörbaren Klapperns aus dem Ventiltrieb war ich schon kurz davor aufzugeben aber wie mein Freund Uwe so schön zu sagen pflegt, „aufgegeben wird ein Brief“.Als auch Meister Flo keinen weiteren Rat mehr wusste bin ich einfach mal losgefahren. Ausnahmsweise sogar mal mit einem Schutzbrief in der Tasche. Schließlich hat der Klapperatismus vor dem Urlaub schon 2500 km durchgehalten, warum also nicht …

Wir starten früh an einem Samstag Morgen und es verspricht ein schöner Tag zu werden. Die noch kühle Morgenluft erfordert erst einmal noch wärmere Bekleidung. Es geht von Karlstein aus über Aschaffenburg in Richtung Spessart.

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Das erste Mal so richtig unter Last klingelt der Motor doch arg bei zu niedriger Drehzahl. Ich bin wohl noch nicht so richtig wach und reagiere zu spät so dass ich schon nach 34 km einen leichten Kolbenklemmer habe. Aus und vorbei denke ich spontan. Den Urlaub kann ich vergessen. Verena schaut und schweigt. Der Motor dreht und springt nach kurzer Abkühlpause sofort wieder an. Mit zarter Gashand und rechtzeitigen Zurückschalten streichle ich das Werk durch den Spessart.Das erste Ziel des Tages ist die Werkstatt vom Flo. Ich brauche noch eine Dichtung für die Oilfeed-Plug. Wir beratschlagen die Situation und als Sofortmaßnahme nehme ich die Frühzündung ein klein wenig zurück. Magerlauf kann ausgeschlossen werden. Wir machen uns wieder auf den Weg und der Motor benimmt sich von nun an besser.

Weniger der Herr Garmin. Noch völlig in Gedanken ob der Motorprobleme folge ich ihm blind und bemerke zu spät dass er uns statt zurück zur B290 in Richtung B13 führt. Da wir als Tagesziel Innsbruck anvisiert haben ist das für mich die ungünstigere Route. Sie führt schließlich durch Ingolstadt und München. Ein heißer Sommertag. Die Innenstadt von München ist voll mit kaufsüchtigen Konsumjunkies, eine Großdemo und Baustellen bedingte Straßensperren kommen auch noch dazu. Hier im Stop and Go fängt dann auch die F an das erste Mal zickig zu werden …

Irgendwann schaffen wir es aber trotz aller Widrigkeiten aus der Stadt heraus in Richtung Bad Tölz. Weitere gesperrte Bundesstraßen erschweren wieder mal das Vorankommen. Irgendwann einmal stehen wir vor einer Passstraße die am Wochenende in einer Richtung für Motorradfahrer gesperrt ist. Ratet mal in welche Richtung … Ein älterer einheimischer Kradist auf einer schönen /5 meint er können uns eine Umfahrung zeigen. Er müsse auch in die Richtung und wir sollen ihm folgen. Er gab wirklich alles um uns wunderschöne aller kleinste Nebenstrecken zu zeigen. Leider war das aber dem Vorankommen nicht allzu zuträglich, trotzdem unseren Dank hierfür.

Schließlich erreichen wir völlig ermattet den Natterer See südlich von Innsbruck. Checken ein, bezahlen stolze 37,50 € für zwei Personen in einem Zelt auf einer völlig durchnässten Zeltwiese welche nur am Rande in Steillage bewohnbar war. Wir sind müde und hungrig. Das platzeigene Restaurant hat leider nur Pizza und nix anderes … Ohne zu murren nehmen wir auch das, wohl aber wissend, dass das hier der erste und letzte Besuch war.

Am nächsten Morgen bauen wir schnellsten das Zelt ab und verstauen unser Gerümpel auf den Motorrädern. Es ist leicht nieselig als wir uns in Richtung alter Brenner Passstraße auf den Weg machen. Auf der anderen Seite in Südtirol ist es wie immer. Es wird sonnig und warm was die Stimmung enorm steigert. An einer großen Tankstelle erwerbe ich zwei Cappuccino, etwas Brot und wir vertilgen ein klein wenig Notwurst und Käse.

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Der Plan für diesen Tag ist das Camping Adriatico südlich von Ravenna zu erreichen. Um so verwirrter bin ich als es plötzlich heißt, hier jetzt bitte links abbiegen. Bar jeder Italienkenntnisse und mangels einer Straßenkarte folgen wir dem Kommando. Italien ist für uns nur ein Transitland und wir sind leider schlecht vorbereitet. Ich war schon nicht gut zu sprechen auf dieses Land, habe ich mir doch extra dafür noch einen geprüften Helm gekauft. Dementsprechen bereise ich Italien mit einem leichten Verstimmung.

Doch zunächst einmal geht es durch die Dolomiten wie ich später heraus gefunden habe. Unbestritten eine tolle Landschaft, nur leider etwas überfüllt. Hochsommer halt.

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Durch die Dolomiten kommen wir schließlich an die Vororte von Venedig heran. Ich kann mich nur noch wundern über die Route. Das Tanken wird am Sonntag in Italien zum Abenteuer. Tankautomaten wohin man auch schaut aber kein Personal. Wir scheitern das ein oder andere Male mit unseren Karten an ausschließlich italienisch sprechenden Automaten. Selbst ein einheimisches Kradistenpaar kann uns nicht helfen, so sehr sie sich auch bemühen. Irgenwie bekommen wir dann doch irgendwann Benzin und es geht weiter. Nach den Vororten von Venedig verschlechtert sich meine Laune mit jedem Kilometer. Es ist heiß und ich habe das dumpfe Gefühl nicht auf dem richtigen Weg zu sein …Als das nächste Schild verkündet dass es noch 106 km bis Ravenna sind, der Garmin aber behauptet es seien nur noch deren 30 bis zum Ziel bin ich völlig verwirrt.

Am Ziel angekommen, einem Monster-Grusel-Campingplatz an der Adria bekommen wir den allerletzten Platz für unser Zelt, zahlen rund 35 € für diese schauderhafte Unmöglichkeit und nehmen das mal als Schicksal so hin. Ein kurzer Blick auf den Strand lässt uns zurück schrecken. Mir völlig unverständlich wie man freiwillig hier Urlaub machen kann. Voll, laut und stinkend präsentiert sich uns die italienische Adriaküste.

Wir kaufen im Supermarkt ein und kochen uns ein Abendessen. Der mitgebrachte Tütenwein lässt das Ganze etwas freundlicher erscheinen …

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Als ich bei der Streckenplanung die Koordinaten vom Camping Adriatico noch rasch von deren Website zog ist mir wohl entgangen dass es deren zwei gibt. Mindestens … 🙂

Auch diesen Platz verlassen wir am nächsten Morgen fluchtartig. Wir sind nun statt wie geplant rund 150 km, noch mehr als 250 km von Ancona entfernt. Erste Überlegungen die Autobahn zu nehmen verwerfen wir wieder zu groß ist der Widerwillen sich mit der untermotorisierten Enfield diesen Scharmützeln auszusetzen. Das Werk ist recht kurz übersetzt und es sind nur mit viel Zuversicht Dauergeschwindigkeiten von 90 km/h möglich. Das ist zu langsam für eine italienische Autobahn finde ich.

Wir hatten eigentlich vor die Mittagsfähre in Ancona zu erwischen. Diesen Plan geben wir auf und beschließen uns auf die Nachmittagsfähre zu konzentrieren. Insofern erleichtert stellen wir uns der italienischen Küstenstraße. Bis Ravenna geht das noch ganz gut. Von da an aber wird es echt eklig. Als wir wieder einmal tanken müssen wieder so ein Erlebnis. Die resolute Tankstellenmutti besteht darauf dass bei Barzahlung kein Selfservice möglich sei. Energisch übernimmt sie den Zapfhahn während Verena noch auf dem Gespann sitzt und beginnt zu tanken. Leider hat sie es so gar nicht drauf und kommt mit dem Hahn zu weit aus der kleinen Öffnung worauf hin sich ein perfektes Benzin-Luft-Gemisch über Verenas Gesicht ergießt. Panik entsteht. Geschockt führe ich meine kurzzeitig erblindete Freundin zu einem Wasserschlauch und unter fließendem Wasser bemühen wir uns so gut es geht die Augen zu reinigen. Ich hatte echt Angst in dem Moment. Verena kann die Augen wieder öffnen und glücklicherweise sieht sie auch was. Ich tanke die Karren selbst voll und bezahlte trinkgeldlos. Verfluchtes italienische Tankstellensystem … Ich schwöre mir, da kommt keiner mehr ran an unsere Mopeds.

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