Tauerntreffen 2015

Ich freue mich darüber dass ich es 2015, nach zwei Jahren Abstinenz, endlich wieder zum Tauerntreffen schaffe. Nach Kampfgeschraube mit glücklichem Ausgang schaffe ich es gerade noch rechtzeig mein neues Solokrad, den Erpel, auf die Straße zu bringen.

Ich kann die Anreise dieses Jahr mit einem Messe Job in München kombinieren. So entfallen etwa die Hälfte der Anreisekilometer. Das ist zwar irgendwie schade, kann aber mit einem Solomotorrad im Winter auch Vorteile bergen.

Im Zeitraffer sah das dann etwa so aus:

  • Freitag, TÜV Termin in der Werkstatt – erfolgreich
  • Wochenende, heimliche Tests im Gewerbegebiet
  • Montag, Zulassung und eine 60 km lange Probefahrt im strömenden Regen
  • Dienstag, Packen
  • Mittwoch, Verladen des Krades auf den LKW und Fahrt nach Maisach nähe München

Ich bin eingeladen bei einem Foristi aus dem Enfield Forum. Eine Einladung bei einem noch unbekannten Kradisten ist immer etwas spannendes und so nehme ich gerne an. Zu dem baut der Kollege gerade einen Wharram Katamaran was mich noch viel mehr interessiert. Plane ich doch ähnliches in Zukunft. Wir besichtigen den Bauplatz seines Projekts, eine Tiki 38. Ich bin schwer beeindruckt und mein Respekt vor einer solchen Aufgabe hat sich noch mal deutlich erhöht. Ich plane zwar nur einen 26- oder 27-Füssler, dennoch … die Zeit, die Energie und der finanzielle Einsatz ist enorm. Hut ab.

Tief beeindruckt und etwas kleinlaut bin ich als wir die Baustelle verlassen. Wohl aber auch motiviert. Es tut gut ein solches Projekt auch mal in echt zu sehen, es an zufassen, mit einem Bootsbauer zu sprechen bevor man sich selbst in ein solches Abenteuer stürzt.

Ich verplaudere mich … zurück zum TT. Ich verbringe einen schönen Abend im Kreise meiner Gastfamilie und lege mich spät und nervös schlafen. Die Wetterlage versprich etwas Spannung für einen Solokradisten.

Abfahrt in Maisach.

Pause auf der A8.

Gegen 4:00 in der Früh werde ich durch das Geräusch des Schneepflugs geweckt. Ich spähe aus dem Fenster in die Dunkelheit und sehe eine schneebedeckte Straße in verschneiter Landschaft. Natürlich will ich das so. Geht es doch auf ein Wintertreffen. Aber … in meinen Träumen reiste ich auf trockener Landstraße bei kaltem sonnigen Winterwetter mit meiner Solo an. Leider sieht die Realität gerade nicht danach aus. Ich erinnere mich an meine letzte Solo-Winter-Reise 2008 mit der SR. Da war es auf der Heimreise ziemlich spannend was die Straßenverhältnisse anging.

Egal. Ich beschließe etwas später zu starten um dem Räumdienst noch etwas mehr Zeit zu geben seine Arbeit zu tun. Außerdem beschließe ich die Autobahn zu nehmen um möglichst schnell nach Hohentauern zu kommen.

Nach einem ausgedehnten Frühstück mache ich mich so gegen 9:00 auf den Weg. Der Weg bis zur Autobahn ist noch gesäumt mit Schneeresten und festgefahrenen eisähnlichen Schneeplatten. Sind aber nur rund 5 Kilometer die ich auch schadlos überstehe. Auf der Autobahn dann Salzbrühe und feinster Salznebel über die gesamte Strecke. Natürlich kommen irgendwann die ersten Zündaussetzer. Diese sind aber immer mit magischem Kriechöl heilbar.

In Trieben an der Tankstelle treffen ich zu meiner großen Freude den Urban und den Peter. „Endlich normale Menschen“ höre ich den Peter sagen und wir sehen den Bärbel auf den Platz rollen. Wie recht er doch hat … Am frühen Nachmittag erreiche ich den Parkplatz in Hohentauern, einen allseits beliebten Kettenanlegeplatz für Motorradfahrer. Auch ich lege den Erpel in Ketten. Nein, ich versuche es zumindest und stelle mich mangels Hauptständer zunächst etwas ungeschickt an. Der beherzte Griff eine Kollegen der den Erpel über den Seitenständer kippt und somit das Hinterrad frei bringt, rettet mich. Vielen Dank hierfür nochmals!

Etwas nervös begebe ich mich mit meinem überladenen Trumm auf die Mautstraße welche bekanntlich auch als Rodelbahn genutzt wird. Es geht aber ziemlich gut. Erster Gang, wenig Gas und der Erpel strebt bergan. Ich werde immer mutiger und bin ab und an sogar im 2. Gang. Lediglich das unbekettete Vorderrad möchte immer wieder mal eigene Wege gehen …

In der Summe jedoch ist der Weg nach oben ziemlich problemlos. Das Krad kann deutlich mehr als der Kradist.

Es folgen in nicht immer klarer Reihenfolge der Zeltaufbau, Menschen begrüßen, Ausrüstung in Position bringen und einfach nur eine permanente große Freude über die gelungene Anreise. Nun beginnt der gemütliche Teil des Wochenendes.

Da das Wetter am Donnerstag eher stürmisch ist überlasse ich die kulinarischen Angelegenheiten dem Hüttenwirt. Dies sollte sich auch nicht mehr ändern. Am gesamten Wochenende nicht.

In der Nacht habe ich ein paar mal Bedenken wegen der Stabilität meines Zeltes, unbegründet wie sich heraus stellen sollte. Lediglich der feine Pulverschnee findet durch den starken Wind seinen Weg ins Innere des Zeltes was nicht so ganz gemütlich war. Dieses Problem sollte sich jedoch am Freitag von ganz alleine erledigen.

Freitag ist der Hauptanreisetag. Idealerweise nimmt man sich dazu einen Stuhl, stellt den Nachschub an adäquaten Heißgetränken sicher und beobachtet die vielen Anreisenden. Leider ließ der starke Schneefall nicht so etwas wie Gemütlichkeit aufkommen. Also immer wieder mal zur Hütte hoch stapfen um es sich gemütlich zu machen. Der Weg hoch zur Hütte zieht sich. Es sind zwar nur rund 500 m, die jedoch ziemlich steil und bei mir Flachländler macht sich die Höhe bemerkbar. Oder ist es
die fehlende Kondition, oder beides … Nachdem ich aber täglich sicher 10x hoch und wieder runter gelaufen bin, gewöhne ich mich schnell daran. Ich weiß, wir sind auf einem Motorradtreffen und man sollte nicht so viel unnötig herumlaufen wo man doch genauso gut fahren könnte. Mir egal, ich mag das so. Und … jeder Gang macht schlank höre ich mich immer mal wieder selbst.

Wichtiges Utensil.

Es hat am Freitag den ganzen Tag geschneit, immer wieder mal muss ich mein Zelt frei schaufeln. Immerhin finden so keine Schneeverwehungen innerhalb statt. In der Nacht hört es auf zu schneien und in meinem Zelt ist es so richtig gemütlich. Ich glaube auch, es war nicht sonderlich kalt. -10° oder -15°C höchstens (tiefstens).

Am Samstag dann ist es erst neblig und bedeckt, mehr und mehr jedoch arbeitet sich die Sonne durch und wir erleben einen wunderschönen Tag auf der Edelraute. Thomas und ich bereiten uns ein leckeres Mittagessen zu. Das einzige Geköchel des gesamten Wochenendes für mich zugegebener Maßen. Der Thomas brät sich ein mitgebrachtes Pfanderl und ich mir ein paar Bratwürste. Ohne alles. In der Not – schmeckt die Wurst – auch ohne Brot.

Ich laufe viel herum, rede mit Menschen die genau so ticken wie ich und freue mich meines Lebens.

Peters Minibar.

Mittagessen …

Der Koch.

Harald, Urban und Thomas.

Gompho.

Schöner Seitenventiler.

Taktische Zeichen.

Am Abend gibt es lecker Essen beim Wirt und ich höre heimliche Absprachen von einer konspirativen Massen-Kontrollfahrt. Ich schwinge mich in des Peters Beiwagen und wir lassen die Guzzi grummelnd zu Tal rollen. In der Tat, an der Mautstation ist mächtig was los. Justus begüßt uns mit einem Schluck Rotwein welchen ich mir ohne Umstände in den Kragen kippe. Also tatsächlich in den Kragen. So habe ich wenigstens das restliche Wochenende was davon. Als des dann wieder bergauf geht mag Peters Guzzi nicht so recht … zu wenig Grip, zu wenig Kraft, zu lang übersetzt, ich weiß es nicht. Ich höre noch Peter vorwurfsvolle Frage „Sag mal, wie viel wiegst Du eigentlich?“ Unverschämtheit … Immer wieder schiebe ich die schwere Fuhre an. Als dann das Hinterrad plötzlich greift, springe ich ins Leere. Sah bestimmt lustig aus wie der Kahlgryndige so über die Mautstraße kullert. Natürlich schaffen wir es dann doch noch und ich komme in dieser Nacht noch zu einer Premiere. Zu einem Erlebnis der besonderen Art. Kontrollfahrt in der Knepta.

Als Traktionsballast kwasi – schon wieder die Gewichtsfrage …Ich kann es nicht beschreiben, es ist einfach unbeschreiblich. Man muss ihn erlebt haben den Höllenritt auf der Knepta mit dem Uwe an der Lenkstange.

Für mich ungewöhnlich spät in dieser Nacht krieche ich zufrieden in meinen Schlafsack. Ich freue mich auf den Sonntag denn der Sonntag ist nicht mein Abreisetag! Ich bleibe noch eine Nacht länger da ich erst am Dienstag meinen Job in München antreten muss.

Am Sonntag dann ganz entspannt die Abreisenden vom Arbeiten abgehalten, immer wieder mal selbst was gepackt. Nach dem Mittagessen auf der Hütte dann den gepackten Erpel hoch gefahren, das war schon spannend bei den vielen von den Gespannen gefrästen Spurrillen … ging aber ohne Sturz.
Einmal nur musste ich mich samt Erpel an der Schneemauer anlehnen.

Julian schraubt. Nix schlimmes, nur der Gaszug. Gerissen natürlich in der Mitte …

Auf einen schönen Abend im familiären Kreis der Wirtsleute folgte ein erholsamer Schlaf im Lager. Nach einem opulenten Frühstück am Morgen sprangen wir auf die  gepackten Kräder und schüsselten los. Ich streichelte den Erpel ins Tal während Urban und Justus mich geduldig nach hinten absicherten. Der Peter überholte immer wieder mal um Action-Fotos zu schießen. Unten angekommen werden die Ketten abgelegt, der Doris ein Geburtstagsständchen gesungen, Justus verlädt den Lukas und los geht die Heimreise. Vielleicht hätte ich vorher mal nach der Hauptstraße schauen sollen. Die Kette hätte besser drauf bleiben sollen … ziemlich glatt war es.

In der letzten Nacht gab es noch mal ordentlich was auf die Mütze.

In Trieben trenne ich mich dann von Peter und Urban. Ich will sie nicht aufhalten auf der Landstraße und gehe direkt auf die Autobahn. In Liezen wieder auf die Bundesstraße nach Radstadt. So langsam passen sich die Straßenverhältnisse dem Wetter an. der Schneematsch verdichtet sich. Ich muss immer wieder mal anhalten um Zündung, Killschalter und Seitenständerschalter zu beölen. An einer Tanke muss ich dann sogar noch Kriechöl nachkaufen. Wieder auf der Autobahn beginnt das Chaos. Es war wirklich ein Höllenritt! Schneesturm, Schneefahrbahn, drückende LKW und null Sicht. Visier des Jethelms sogar von innen verschneit, Brille beschlagen und ein immer wieder mal ausbrechendes Vorderrad. Ich musste mehrfach in den tiefen Schnee des Seitenstreifens um zu verschnaufen und Brille zu putzen. Aufgeben wollte ich schon aber der Ritt war alternativlos. Ab Salzburg wurde es dann besser … so etwas will ich eigentlich mit einem beladenen Zweirad nicht mehr erleben.

Ich brauche wieder ein taugliches Reisegespann …

Die Beölungsinterwalle verkürzten sich und gegen 15:00 erreiche ich glücklich aber erschlagen den Lkw in Maisach. Der Erpel kann deutlich mehr als ich …

Umziehen, abpacken, Lkw ausgraben, beladen und zurück auf die Bahn. Am Abend sitze ich dann im Hotel in Zorneding und bin noch immer abgefüllt von all diesen schönen Erlebnissen des Wochenendes.

Schäden am Erpel? Die Tachowelle ist hinnig.
Auch nach drei Tagen Schlummer bei -10 Grad sprang die Karre problemlos an.
Ein Dank an die Motobatt sei hier mal angebracht.

Das Wochenende war ein Traum.