Balkan 2015 – 7

Etwas wehmütig verlassen wir die Insel. Freuen uns aber auf die 8-tägige Reise die noch vor uns liegt. Wieder geht es mit der Fähre aufs Festland. Ein Stück die Küste entlang in Richtung Norden. Kurz vor Neum überqueren wir die Grenze nach Bosnien um nach etwa 10 km wieder nach Kroatien einzureisen. Diese Prozedur ist recht zeitaufwändig. Kennen wir so in der EU gar nicht mehr.

Nach einem weiteren Grenzübertritt sind wir wieder in Bosnien. Wir fahren die Neretva entlang in Richtung Mostar. Sofort ändert sich die Umgebung. Alles wirkt einfacher, teilweise sogar ärmlicher als in Kroatien. Erste Kontakte sind vielversprechend. Die Menschen sind unglaublich freundlich. Viel freundlicher als an der Küste. Noch nicht so abgestumpft. Ich möchte niemanden verletzen aber der Massentourismus an der kroatischen Küste hat deutliche Spuren hinterlassen.

Wir schlagen unser Zelt auf einem kleinen Platz in Blagaj  auf. Ein einfacher Platz mit guter Ausstattung und super freundlichen Wirtsleuten. Ausweise? Brauchen wir keine. Bezahlen könnt ihr morgen früh. Dort ist der Kühlschrank, nehmt euch was ihr braucht und sagt es mir morgen … So gefällt das dem staubigen Kradisten

Buna Quelle

Auf Empfehlung eines deutschen Bosniaken auf dem Platz schauen wir uns die Buna Quelle, 2 km entfernt liegend an. Dort bekommen wir auch ein verspätetes Mittagessen.
Die Quelle spuckt in der Sekunde 43.000 Liter Wasser aus und ist praktisch sofort ein Fluß. Allerdings mündet dieser Fluß schon nach wenigen Kilometern in die Neretva.

Blick flussabwärts

Wir verbringen einen entspannten Abend auf dem Platz. Ein junges Paar, schon 14 Monate mit Fahrrad unterwegs, erzählt uns von der Reise. Sehr spannend. Ich nehme noch ein kurzes Bad in dem Quellfluß und muß bibbernd feststellen, er ist noch kälter als die Soca …

Gastterasse des Platzes direkt am Quellfluß. So läßt es sich aushalten

Später am Abend fahren wir die 10 Kilometer nach Mostar. Schon die Stadtrundfahrt ist beeindruckend und aber auch gleichzeitig bedrückend. Wie sinnlos das Töten doch ist. Es ist heiß, auch noch lange nach Sonnenuntergang und die Gassen der Altstadt sind voll. Dank dem Krad finden wir einen guten Parkplatz und stürzen uns ins Getümmel.

Stari Most

Altstadt am Abend

Wir finden einen Platz in einem Restaurant und essen … Nun ja, wir essen Cevapcici. Was sonst. Auch Verena hält tapfer mit. Die Preise sind sehr günstig in Bosnien. Das schont die Reisekasse. Selbst kochen lohnt sich kaum.

Spät am Abend verlassen wir die Stadt und fahren zurück zum Campingplatz. Tief beeindruckt hängen wir unseren Gedanken bei einem letzten Schluck Rotweins aus Kozarica nach …

Am nächsten Morgen geht die Fahrt weiter. Wir bauen das Lager ab und wollen bezahlen. Leider ist keiner da so dass wir unsere Rechnung selbst zusammen rechnen müssen. Das Geld deponieren wir dann hinter der Bar.

Wir fahren auf kleinen Landstraßen und an der ersten Tankstelle halten wir an einen Kaffee zu trinken. Frühstück gibt es leider nicht aber egal. Als der Tankwart uns zu Tisch bittet und uns den Kaffee serviert holt er schließlich noch seine Plastikdose mit Mutters Kuchen und bittet uns zu probieren. So etwas wird Dir an einer kroatischen Tankstelle niemals passieren. Und dabei haben wir noch nicht einmal getankt … Der Kaffee kostete umgerechnet 1 €. Für beide zusammen.

Mittagspause

Die Straße wird enger, der Belag schlechter und schließlich ist er ganz weg. Wir sind aber immer noch auf einer Bundesstraße 2. Kategorie. Don’t panic … Der Erpel fühlt sich wohl nur Verena kämpft mit der bockenden F.

Schotterpiste

Man sieht ihr die Anstrengung an

Die Piste dauert ungefähr 10 Kilometer und wir sind froh wieder eine richtige Straße unter den Rädern zu haben.
Am Abend bauen wir unser Lager in Jaice auf und gehen noch eine Runde im Fluß schwimmen.
Und noch so einen Tankwart heute. Im tiefsten Land, weit weg von allen Bundesstraßen müssen wir an einer kleinen Tankstelle tanken. Die Besitzerin ist begeistert und füllt uns höchst persönlich die Tanks. Ihr Vater bringt Verena wortreich einen Stuhl damit sie sich im Schatten ausruhen könne. Die Enkelin kommt dazu und zählt uns stolz auf deutsch von ein bis zehn vor. Englisch könne sie auch, mag sie aber nicht.

Morgenkaffee auf dem Platz in Jaice

Gemächlicher Aufbruch

Morgens brechen wir so langsam auf in Richtung Kroatien. Wir wollen uns den Nationalpark Plitvicka anschauen. So zumindest der Plan.

Es geht durch liebliche Landschaften die, wenn nicht überall die Minarette stehen würden auch irgendwo in den Alpen sein könnte. Und immer wieder Ruinen des Krieges.


Dann hält Bosnien auch noch die ein oder andere Überraschung für uns bereit. Wir fahren eine Schotterpiste welche sich zu einem üblen Pfad entwickelt. 15 Kilometer ist dieses Prachtstück lang. Fast zu lang für die F …

Hier ist der Weg noch ganz OK …

Aber so langsam wird es arg …

Immer wieder müssen wir anhalten. Die F läuft gar nicht mehr gut. Viel zu lang übersetzt muss Verena die meiste Zeit im ersten Gang fahren. Unter Einsatz der Kupplung … Der Motor wird trotz Wasserkühlung sehr heiß und der Sprit fängt an in der Schwimmerkammer zu kochen. Alle 3 Kilometer ist Schluß … Dem Erpel macht das gar nix, ist aber auch ungerecht der Vergleich. Um sie nicht zu verlieren fahre ich hinter Verena her. Unglaublich, mangels Dämpfung ist das Hinterrad die Hälfte der Zeit in der Luft. So kann man auch keinen Grip aufbauen mit dem Strassenreifen und die Kette leidet auch unter den Schlägen.

Wir erreichen bei Bihac die Grenze zu Kroatien und fahren durch eine üble Baustelle, inmitten von Sattelzügen im dichten Staub in Richtung Ziel. Überholen ist nicht. Die F hat nicht genügend Grip auf der Wellblechpiste. Schließlich erreichen wir genervt den Nationalpark und landen prompt am Parkeingang. Dort tobt der Bär. Gefühlte Millionen Menschen, Busse Wohnmobile und PKW. Wir ergreifen die Flucht um uns am Camp Bear ein Zimmer zu nehmen.

Bosnien war eine tolle Erfahrung. Ein wunderschönes Land welches alleine schon einen Urlaub wert ist. Wir werden wieder kommen um die großen Seen mit dem Kanu zu befahren und um in Ruhe, vielleicht im Herbst durch die Gassen von Mostar zu streifen.

Wir sitzen am Abend mit einem tschechischen Kradistenpaar zusammen wobei mangels sprachlicher Möglichkeiten beiderseits kaum ein Gespräch zustande kommt. Wir braten uns eine Gemüsepfanne und die beiden sind beeindruckt ob unserer Küchenkiste … Bei einer Flasche Wein beschließen wir, wie soll es auch anders sein, den Nationalpark links liegen zu lassen um noch zwei Tage in Kobarid in Slowenien zu verbringen.

Trotz Pensionszimmer, die Kaffeeküche muss sein

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